• Cornelia Härtl

Wie Personenspürhunde Vermisste oder Tote finden - Interview mit Mantrailerin Harmke Horst


Harmke Horst. Foto: Karsten Werner

Liebe Harmke,


du bist Mantrailerin. Kannst du kurz erklären, was man darunter versteht?


Eigentlich heißt es Mantrailer, aber da mein Name immer zu Verwirrung führt habe ich daraus einfach Mantrailerin gemacht und dies auch als Wort-Bild- Marke eintragen lassen. Denn mein Vorname ist mit Harmke doch sehr außergewöhnlich und in der Kombination eines männlichen Vornamens als Nachnamen eben nicht immer ganz eindeutig.

Mantrailer (so oft die Bezeichnung in der Presse) ist im Grunde das Gleiche wie Personenspürhund. Wenn man es unterscheiden möchte, dann nimmt man den Begriff Mantrailer eher im Hobbybereich, während Diensthunde der Polizei oder ehrenamtlicher Organisationen meist Personenspürhunde verwenden. Der Einfachheit halber verwende ich im Folgenden den dennoch mehr geläufigen Begriff Mantrailer.

Mantrailer sind Hunde, die darauf ausgebildet werden nach dem sogenannten Individualgeruch eines Menschen zu suchen. Dieser Individualgeruch ist so einmalig wie der Fingerabdruck. Als Vergleichsgeruch erhält der Mantrailer am Start (letzter gesehener Punkt der vermissten Person) einen Geruchsartikel zum Anriechen unter die Nase gehalten. Zum Beispiel die getragene Unterhose der vermissten Person. Von nun an verfolgt der Mantrailer die letzte gelaufene Spur, oder auch Trail genannt, um die vermisste Person zu finden.

Ein Leichenspürhund hingegen sucht, wie der Name schon sagt, nach einer nicht mehr lebenden Person, also nach einem Leichnam. Dabei wittert er nach dem Verwesungsgeruch. Wir benötigen diese zwei unterschiedlich ausgebildeten Hunde, da der Mensch nach dem Tod seinen Individualgeruch verliert: Tot riechen wir für Hunde alle gleich.


Wie bist du dazu gekommen?


Mehr durch Zufall war ich vor ca. 10 Jahren auf einem Seminar für Mantrailer. Ich war so fasziniert von der unglaublichen Leistung der Hundenase, dass ich es mit meinen Hunden selbst trainieren wollte. Damals gab es wenige Ausbilder in dem Bereich. Und so bin ich dann eher ungeplant auch zur Trainerin geworden.

Außerdem bist du Expertin für Körpersprache. Gibt es da Berührungspunkte und wenn ja, wie und wo genau?


Mantrailing ist ein Dialog zwischen Hund und Mensch, der oftmals non-verbal stattfindet. Deswegen ist es unerlässlich, die Körpersprache des Hundes beim Mantrailing lesen zu können. Ebenso liest uns der Hund aber gleichermaßen.

Für ein besseres Verständnis ein kurzes Beispiel: Die Polizei möchte wissen, ob eine vermisste Person an einem Ort war oder nicht. Der Mantrailer erhält dort am Start den Geruchsartikel. Anhand seiner Körpersprache, z. B. ein Eintauchen in den Geruch, die Gesamtanspannung des Körpers, wird angezeigt, dass der Hund die Spur aufnehmen kann. Die vermisste Person war also vor Ort. Ist allerdings keine Körperspannung am Hund zu erkennen und er taucht nicht in den Geruch ein, war die Person nicht dort. Während der gesamten Suche spielt das Lesen der Körpersprache des Hundes eine entscheidende Rolle.


Mantrailing bedeutet, Menschen aufzuspüren. Hat nicht jeder Hund diese Fähigkeit?


Jeder gesunde Hund kann vermisste Menschen finden. Dies liest man auch sehr oft in der Presse. Dann lautet die Überschrift meistens in die Richtung wie: Hund findet beim Spaziergang Mensch in hilfloser Lage. Das sind dann aber Zufallsfunde während es im Ernstfall gezielte Suchen sind.

Für den Ernstfall muss der Hund eine 2-3-jährige Ausbildung durchlaufen. Sowohl Hund als auch Hundeführer müssen dazu geeignet sein. Man kann es nicht zwingend an der Rasse festmachen, sondern er muss soweit eigenmotivert sein, dass er beispielsweise, auch wenn es knobelig wird, die Suche nicht aufgibt. Da es oft um längere Strecken geht muss er bestimmte körperlichen Voraussetzungen mitbringen, also nicht zu klein sein.

Da es im Einsatz immer Menschenleben geht, man aber nie weiß, ob der vermisste Mensch noch lebt oder bereits verstorben ist, muss der Hundeführer mit diesen Situationen umgehen können.


Du bist auch ehrenamtlich tätig …


Ich war fünf Jahre ehrenamtlich bei der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Frankfurt. Anschließend bin ich als Mantrailerin für die Hessische Polizei Einsätze in der Vermisstensuche und im Delikt-Bereich gelaufen.


Du hast gerade ein neues Buch veröffentlicht, „Faszination Mantrailing - Personenspürhunde im Einsatz und Training“. Was ist das Besondere daran?



Harmke Horst: Personenspürhunde im Einsatz und Training. Faszination Mantrailing. Erschienen im Februar 2022 bei Oertel + Spörer.

Wie solche Einsätze ausschauen, lest ihr tatsächlich in meinem neuen Buch. Denn dort sind einige Einsätze beschrieben und meine Erkenntnisse daraus. Zusätzlich finden Trail-Teams jede Menge Übungen, die sie bestmöglich auf den Einsatz vorbereiten.


Im Mai 2022 erscheint noch ein weiteres Buch von mir. Ein Arbeitsbuch für aktiv trainierende Mantrailing-Teams.


Was ist für dich die größte Herausforderung beim Mantrailing?


Neben der aufwendigen Ausbildung ist die Arbeit von Mantrailern immer noch sehr unbekannt. Oft sogar bei der Polizei. Weder ist bekannt, was diese Spezialhunde alles leisten können, noch in welchen Fällen man die Hunde einsetzen kann. Ebenso werden sie in Presse und Print meist fachlich falsch dargestellt. Dem möchte ich gerne entgegenwirken.


Vielen Dank!



Harmke Horst ist Kommunikationswissenschaftlerin, lebt im hessischen Egelsbach und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Mantrailing. Sie ist Trainerin eigener Mantrailinggruppen und gibt außerdem Seminare im In- und Ausland. Selbst trainiert und arbeitet sie gemeinsam mit ihren beiden Schäferhündinnen Tick und Esra im Bereich der Ernstfallsuche. Außerdem ist sie als Texterin und Autorin tätig.

Aktuell:

Mehr über Harmke auf ihrer Webseite.

Dort findet ihr auch einen Podcast zum Thema Mantrailing. Und ganz neu gibt es einen Podcast Zum Thema True Crime. Spezialhunde und ihre Arbeit spielen dort ebenfalls eine große Rolle.


Neben der Leidenschaft fürs Mantrailing fotografiert Harmke gerne und ist in der Natur unterwegs. Zum Aufwärmen geht es in die Sauna. Regelmäßig bereitet sie dort Gästen erholsame Momente zum Beispiel mit musikalisch untermalten Duftreisen. Und last but not least liebt sie Krimis.


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